Steintransport

Theorie

In meiner „Motl-Theorie“ gehe ich davon aus, dass die Baustellen zum Großteil mit freiwilligen Arbeitern betrieben wurde und das einfache handwerkliche Methoden zum Einsatz kamen, die nach damaligen Kriterien von den Beteiligten als akzeptabel angesehen wurden. Das Problem für die Erbauer bestand darin tausende tonnenschwere Steine mit einer möglichst einfachen Technologie an den Punkt ihrer Bestimmung zu bringen. Die dafür eingesetzte Energie kam aus der Muskelkraft der am Bau tätigen Handwerker. Daher ist die Lösung des Rätsels um den Bau der Pyramiden auch eine handwerkliche: Beim Transport der Steine wurde die Wirkung des Flaschenzugeffektes genutzt. Die Handwerker haben dabei an einer Seite der Pyramide einen Transportschlitten installiert, der an umgelenkten Seilen mit einem Zugschlitten auf der anderen Seite der Pyramide verbunden war. Auf den Transportschlitten wurden die Steinquader gelegt. Der Zugschlitten wurde als Gegengewicht mit entsprechend vielen Arbeitern besetzt, so daß allein das Gewicht der Menschen reichte um den Felskoloss die Pyramide empor zu ziehen. Ein durchschnittlicher Quader hat ein Gewicht von ca. 2,5 t. Dazu kommt der zu überwindende Reibungsverlust, der nach meinen Berechnungen ein zusätzliches Zugkraft von 0,5 t verlangt. Unterstellt man ein durchschnittliches Gewicht von 60 kg pro Arbeiter, so mußten sich 50 Personen auf den Zugschlitten setzen, um die notwendige Zugkraft aufzubringen. Während der Quader die Pyramide hochgezogen wurde, rutsche der Zugschlitten mit dem Gewicht der Arbeiter die Pyramide hinab. Wenn der Steinquader auf dem Transportschlitten seinen Zielort auf der Pyramide erreicht hatte, wurde die ganze Prozedur in die andere Richtung wiederholt. Jetzt wurde der Transportschlitten zum Zugschlitten und der Zugschlitten zum Transportschlitten umfunktioniert. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass der Zugschlitten nicht für den Steintransport ausgelegt war und daher nur kleine, bzw. gar keine Gegenstände zur Spitze der Pyramide befördert hat. Die Technik ist sehr einfach und war mit dem damals herrschenden technischen Möglichkeiten leicht zu bewältigen.

Ausschnitt: Unten links am Fuße der Pyramide

Ausschnitt: Oben Links an der Spitze der Pyramide

Ausschnitt: Oben rechts an der Spitze der Pyramide

Ausschnitt: Unten rechts am Fuße der Pyramide


Modellversuch

Um meine Theorie praktisch zu überprüfen, habe ich ein Modell einer Pyramide gebaut, an dem ich die Theorie getestet habe. Dabei habe ich festgestellt, daß die Reibungsverluste höher waren als ich zuerst angenommen hatte. Wie konnte das Problem der Reibung gelöst werden? Durch mehr Arbeiter als Gewicht auf dem Zugschlitten wären diese in ihrer Dimensionen viel zu groß geworden. Als Lösung erarbeitete ich im Modellversuch Rutschflächen aus nassem Lehm, wie er am Nil reichlich vorhanden ist. Durch diese Behandlung der Transportwege bewegten sich die Schlitten sehr viel leichter, so daß erheblich weniger Zuggewicht notwendig wurde. Ein weiteres Problem im Modellversuch war es, die Schlitten überhaupt in Bewegung zu bringen. Auch dazu brauchte man deutlich mehr Kraft als ich ursprünglich annahm. Sobald die Schlitten allerdings in Fahrt waren, rauschten sie mit voller Wucht los. In der Praxis hätte diese unkontrollierte Fahrt zu gefährlichen Unfällen geführt. Der Zugschlitten mit den Arbeitern wäre wie ein abgerissener Fahrstuhl auf den Boden gekracht und der Quader auf dem Transportschlitten hätte seinen Bestimmungsort völlig unkontrolliert erreicht. Um eine solche unkontrollierte Fahrt zu verhindern, habe ich im Modell zusätzlich zu dem oben an den Schlitten angebrachten Zugseil noch je ein Seil an der Unterseite jedes Schlittens befestigt. Um die Schlitten in Bewegung zu bringen, konnten so in der Praxis einige Arbeiter am Seil des Zugschlittens ziehen und unterstützend andere Arbeiter den Transportschlitten anschieben. Zur Erleichterung des Startvorgangs haben sie noch Holzrollen unter den Transportschlitten gelegt. Um die Fahrt zu kontrollieren und eine zu rasante Fahrt des Quaders zu verhindern, wurde das Seil am Transportschlitten als Bremsseil benutzt. Drohten die Schlitten zu schnell zu werden, haben die Arbeiter am Bremsseil gezogen und so für eine Reduktion des Tempos gesorgt. Als weiteres Sicherheitselement wurden Auslaufflächen für die Schlitten angelegt, die einen herben Aufschlag eines entglittenen Schlittens verhindern sollten. Die Belastung dieses Seilsystems war erheblich. Um die Haltbarkeit zu erhöhen wurden die Seile der Schlitten permanent gefettet. Dies war vor allem auch deshalb notwendig, weil die Umlenkung nicht über Rollen sondern geschliffene Steine erfolgte, die für nicht unerheblichen Abrieb verantwortlich waren.


Nachwort

Entgegen allen anderen Theorien, nach denen der Bau einer Pyramide für die Beteiligten eine einzige Schinderei gewesen sein muß, kann man sich nach meinen Überlegungen durchaus vorstellen, daß ausreichend Freiwillige für diese Baumaßnahme gewonnen werden konnten. Hat doch die Fahrt mit dem Schlitten für die „menschlichen Gewichte“ fast schon den Charakter einer Fahrt im Fahrgeschäft auf dem Jahrmarkt. Keinesfalls jedoch mußten bei dieser Theorie große Menschenopfer eingeplant werden. Eher handelte es sich um eine altertümliche Großbaustelle, gar nicht unähnlich denen, die wir heutzutage auch kennen. Diese ganze Prozedur, die eine erhebliche Logistik voraussetzte und die Koordination sehr vieler Arbeiter verlangte, war jedoch nur möglich, wenn Sie entsprechend geplant und organisiert wurde. Aus diesem Grund haben Beobachtungsposten auf der Pyramide gestanden, um die notwendigen Kommandos zu geben. Es existierte eine eindeutige und unmißverständliche Befehlsstruktur. Die Übermittlung der Befehle erfolgte verbal oder z.B. auch mit Hilfe von Fahnen. Ein Planungsstab hat den Einsatz der Arbeiter sowie den laufenden Nachschub mit entsprechend zurechtgehauenen Quadern organisiert. Auch mit der von mir entwickelten Theorie war es immer noch schwierig, eine Pyramide in einer angemessenen Zeit zu erstellen. Forscher haben ermittelt, daß bei der Pyramide von Gizeh täglich etwa 320 Quader übereinandergeschichtet werden mußten. Geht man davon aus, daß 4 meiner Schlittenkonstruktionen an der Pyramide angebracht waren, führte dies zu einer Förderlast von täglich 80 Quadern pro Schlittenkonstruktion. Bei einer Arbeitszeit zwischen 10-11 Stunden pro Tag bedeutet dies, daß ca. alle 8 Minuten ein Quader in Höhe gezogen werden mußte. Rüstzeiten nicht eingerechnet. Ein gewaltiges Zulieferproblem am Boden und eine riesige Aufgabe für diejenigen, die an der Weiterverarbeitung des Materials beschäftigt waren. Ein Argument mehr für meine These, dass hier sehr viele hochmotivierte, freiwillige Kräfte am Werk gewesen sein mußten. Eine solch komplexe Facharbeit mit Sklaven zu bewältigen scheint mir unmöglich, zumal bei einer Baustelle mit hoher Unfallgefahr und strenger Bewachung durch Soldaten nicht von einer sehr hohen Motivation der Sklaven ausgegangen werden kann. Meine abstrakten Überlegungen, als auch die von mir im Modellversuch gewonnenen Erfahrungen lassen mich sicher sein, dass der Bau dieser riesigen Pyramiden mit der von mir beschriebenen Weise möglich gewesen ist. Das gilt sowohl hinsichtlich der verwendeten Technik als auch im Hinblick auf die Frage der Rekrutierung von Arbeitskräften. Mit dieser Theorie wären die Pyramiden auch von dem Vorurteil einer menschenverachtenden Sklavenbaustelle befreit, sondern könnten als hoch motivierte Gemeinschaftsarbeit eines ganzen Volkes betrachtet werden.
© by Bernd Motl